
Situation Afrika
In vielen Teilen der Erde herrscht eine dramatische Unterversorgung an medizinischen Leistungen. Weitere Ursachen neben Armut sind der signifikante Mangel an Gesundheitseinrichtungen mit fachlich geschulten Ärzten und unterstützenden Kräften, mangelnde Gelder um Hilfsprogramme zu verwirklichen, sowie Sachgüter für die Lösungsansätze gefunden werden müssen. Diese Probleme treffen besonders auf den afrikanischen Kontinent – besonders der Subsahara – zu. Von den 34 besonders gering entwickelten Ländern liegen 30 in Schwarzafrika. Nirgendwo ist so vielschichtige Hilfe erforderlich wie auf diesem Kontinent.
Notwendigkeit der Floating Clinic
Neben der zunehmenden Bevölkerung in explodierenden Mega Städten und dem Bedarf an urplötzlich mehr fachlichen Kräften und Einrichtungen stellen genauso unzugängliche Gebiete in unwirrschen Gegenden eine Herausforderung für medizinische Hilfe dar. Ein weiteres Problem ist die schlechte Erschließungsmöglichkeit zu abgelegenen Gebieten, oft begleitet von nicht vorhandenen oder kaputten Straßen. Durchschnittlich handelt sich bei nur einem Elftel der Straßen Afrikas um befestigte Straßen. Der Zustand der Straßen ist schlecht, nicht vorhersehbar und in der Regenzeit kaum passierbar. Auch in der Trockenzeit ist auf den Straßen der Transport von hochempfindlichen technischen und medizinischen Geräten nicht möglich.
Es gibt zahlreiche Flussarme auf denen man an notbedürftige Gebiete per Schiff heranfahren könnte. Diese Flussarme führen an die Orte, wo Hilfe am dringendsten notwendig ist, aber am wenigsten hinkommt – zu den Menschen im Landesinneren, am Fluss. Im Landesinneren findet man gelegentlich einheimische Heiler und ab und zu einen Arzt, doch leider verfügen die Mediziner oft über keinerlei Medikamente, geschweige denn über diagnostische Geräte. Die Recherche zeigt, dass es ab 1960 ein verstärktes Hinwandern zu Flüssen oder aber auch zu Seen (Viktoriasee) gegeben hat. Ein Großteil der Bevölkerung befindet sich in unmittelbarer Nähe der Flüsse oder an den vielen Nebenflüssen. Demnach ergibt sich, dass viele Waren- und Personentransporte per Floss erfolgen könnten. Auch die Nebenflüsse weisen oft eine geeignete Breite und Tiefe auf, um sie mit einem Boot zu befahren.
Die Antwort für die mögliche Realisierung einer flächendeckenden medizinischen Betreuung liegt in der „Floating Clinic“.
Dabei handelt es sich um ein Schiff mit dem Konzept der medizinischen Hilfe, der gesundheitlichen Aufklärung und Schulung auf den hygienischen, ernährungstechnischen, medizinischen und den gesundheitserhaltenden Gebieten.
Rotationsrhythmus/Einzusgebiet der Floating Clinic
Die „Floating Clinic“ ist eine mobile medizinische Hilfe, die sich auf allen Flüssen und deren Nebenarmen, in jedem möglichen Gebiet fortbewegen kann. Das Konzept der „Floating Clinic“ liegt darin,
dass sie eine bestimmt Zeit an einem beliebigen Punkt/einem Dorf anlegt, Hilfsbedürftige versorgt und zum nächsten Anlegepunkt fährt. Um exemplarisch einen Rotationsrhythmus darzustellen, haben wir uns das Flussgebiet des Nigers ausgesucht (siehe Pläne). Der Einzugsradius einer „Floating Clinic“ am Anlegepunkt beträgt 200 km. Einheimische haben die Möglichkeit in maximal zwei bis drei Tagen per Fußmarsch medizinische Hilfe zu erhalten. Binnen 22 Stunden kann die „Floating Clinic“ ihren nächsten Anlegepunkt erreichen. An einem Anlegepunkt lagert die „Clinic“ 2-3 Monate. Anhand der Liegedauer ergibt sich der Rotationsrhythmus der „Floating Clinic“.
Konzept
Konzeptionell gesehen ist die Konstruktion von den Spanten eines Bootes nachempfunden, die Spanten ziehen sich weiter über das Deck und formen somit nicht nur Boot, sondern auch schützende
Hülle aus. In Längsrichtung empfinden die Spanten die Form einer Welle nach. Das Deck wird von kleineren und größeren Spanten überformt, die sich über dem Deck verzahnen. Die Form des
Bootes kann mit zahlreichen Metaphern, wie Muschel, Arche, eine sich öffnende Blüte assoziiert werden.
Architektur
Außenraum
Die gesamte Konstruktion orientiert sich an den lokalen Klimabedingungen und ist sehr offen gestaltet. Die Spanten laufen über dem Deck aufeinander zu, wobei sie sich nicht berühren; somit strömt ständig Luft in den Korpus des Bootes. Diese zirkuliert durch die aufklappbaren Tore, die eine einladende Geste zum Ufer offerieren und über die, die Patienten die schützende Hülle des Bootes erreichen können, um dort die nötige medizinische Versorgung zu bekommen. Auch laden die Tore zum Verweilen ein.
Innenraum
Das Bootsinnere, das Deck gliedert sich in zwei Bereiche. Es gibt einen festen Bereich, in dem sich die medizinischen Geräte oder Festinstallationen befinden. Dieser ist somit für schwerwiegendere
medizinische Behandlungen vorgesehen. Der zweite Bereich ist eine variabel bespielbare Freifläche, in dem die eigentliche Behandlung, warten, wiegen, messen, impfen, Aufklärung und Prävention stattfinden soll. Das Leben der afrikanischen
Völker ist von der Gemeinschaft geprägt; essen, schlafen, alltägliches Leben findet gemeinsam, in einem Raum und auf engstem Raum statt. Diese Tradition spiegelt sich in der Zonierung des Decks wieder. Um dennoch eine Abtrennung gewährleisten zu können, gibt es große Vorhänge, die an den Spanten hängen und die gegebene Zonierung des Schiffes durch die Konstruktion unterstreichen. Dies ermöglicht mehrere Nutzungen wie ein Lazarettschiff und OP-Schiff (siehe Pläne). Im Unterdeck befinden sich die Einheiten für Müllentsorgung, Wäsche, Lager, Maschinenraum und die Kojen der Mannschaft.
Materialität und Bauweise
Die Fertigung der Clinic ist nicht von europäischer Hilfe abhängig. Die ganze Floating Clinic kann in traditioneller Bauweise in Afrika gebaut werden, von der handwerklichen Umsetzung bis zum Material. Im traditionellen Bootsbau wird Irokoholz aufgrund seiner Eigenschaften, der hohen Rohdichte und der Fäulnisbeständigkeit, bevorzugt verwendet.Das gesamte Boot wird in erste Linie aus zwei Materialien hergestellt: Irokoholz und Naturkautschuk. Um Sterilität vorrangig in dem festen Bereich
zu ermöglichen, wird das Holz mit Lack behandelt und ist somit abwischbar und desinfizierbar.
Autarkie
Um eine autarke Strom- und Wasserversorgung zu gewährleisten, gibt es Solarzellen im Dachbereich, die zwischen die Spanten eingesetzt sind. Die Wasseraufbereitungsanlage (die die Größe
eines Spintes besitzt) befindet sich im Unterdeck.